Mein Jakobsweg – Das Fazit

Mein Jakobsweg – Das Fazit

Ich bin jetzt seit ein paar Wochen zurück vom Camino wieder zu Hause und natürlich auch schon wieder im Alltag angekommen. Die Reise auf dem Jakobsweg hat aber immer noch Wirkung auf mich.

Ich bin einfach insgesamt gelassener und lasse mich nicht stressen. Wenn du auf dem Weg bist und die Dinge, die du zum Leben auf dem Rücken dabei hast, merkst du erst, wie wenig nötig ist. Ich glaube, daher kommt meine neue Gelassenheit. Es lohnt sich nicht über Dinge aufzuregen, die du sowieso nicht ändern kannst. Nimm hin, was passiert und versuche damit umzugehen.

Auf dem Weg habe ich viele unterschiedliche Menschen kennengelernt und jeder war in seiner Weise einzigartig wunderbar und hat mich viel gelehrt. Keiner von uns hatte ein zuviel an Materiellem dabei und doch war jeder unglaublich großzügig. Als ich keine Sonnencreme hatte, wurde mir sofort welche angeboten, genauso war es mit Pflastern und Kortisoncreme gegen meinen Mückenstich. Aber noch mehr hatten alle Menschen emotional zu geben. Wenn es mir mal wieder ganz schwer fiel, die Etappe zu schaffen, haben mich alle angefeuert und am Ende des Tages in mein Gesicht gestrahlt: “Du hast es geschafft!” Das werde ich nie vergessen, es war großartig.

Auch die körperliche Anstrengung hat ihre Spuren hinterlassen: Meine Füße sehen jetzt, nach einigen Wochen, endlich wieder normal aus. Die von den Blasen hinterlassene, überschüssige Haut ist verschwunden und die fehlende Haut von der Blase unter dem Fuß ist nachgewachsen. Während ich auf dem Jakobsweg unterwegs war, hatte ich große Probleme. Es begann mit Muskelkater und schmerzender Hüfte. Als dies vorbei war, bekam ich Blasen, die sich bis zum letzten Tag immer wieder erneuerten. Dann bekam ich Knieschmerzen, gefolgt von meiner Achillessehne, die anschwoll und schmerzte und zum Schluss waren meine gut eingelaufenen Wanderschuhe so abgelaufen, dass mir die Fußsohlen schmerzten, da die Füße nicht mehr ausreichend gedämpft wurden.
Aber ich habe auch positive Erfahrungen gemacht. So konnte ich wunderbar schlafen, wenn ich mich bewegt hatte. Ich war meist schon gegen halb 10 Uhr morgens rund 12 km gelaufen, was mir unheimlich gut tat und sich positiv auf mein Essverhalten und meine Verdauung ausgewirkt hat. Ich habe insgesamt nicht so viel abends gegessen, sondern mehr tagsüber. Generell hatte ich das Gefühl, dass weniger Essen mich leichter laufen lässt. Eine Erkenntnis, die ich gerne in meinen Alltag übernehmen möchte. Leider gelingt es mir nicht immer. Denn wenn ich nach einem langen Arbeitstag nach Hause komme, bin ich oft so hungrig, dass ich schnell mal zuviel esse. Eine Siesta am frühen Nachmittag, wie ich sie auf dem Jakobsweg hatte, würde mir wahrscheinlich helfen. Vielleicht sollte ich meinen Chef mal darauf ansprechen ?.

Bevor ich mich auf den Weg begab, hatte ich einige Fragen im Kopf.

Werde ich alleine sein?

Diese Frage hatte sich direkt nach 1 Stunde geklärt, als ich an einer Ampel in Léon stand und mitbekam, dass die zwei Mädels neben mir Deutsch sprachen. So lernte ich Sandra und Julia kennen. Generell wirst du jeden Tag auf dem Jakobsweg neue Leute kennenlernen. Selbst ich, obwohl ich normalerweise nicht sonderlich kontaktfreudig bin, habe direkt Anschluss gefunden. Du kannst den ganzen Tag für dich alleine sein, wenn du willst. Oder du gehst den Weg mit jemandem gemeinsam. Alles ist möglich.

Wie komme ich ohne Spanisch zurecht?

Obwohl die Spanier, ähnlich wie die Franzosen wenig Englisch sprechen, so ist man dennoch auf die Pilger eingestellt und versteht sie auch in der Regel. Zur Not mit Händen und Füßen. Außerdem sind meist noch andere Pilger in der Nähe, die eventuell Spanisch sprechen und dein Englisch übersetzen können. Obwohl ich mit vielen Deutschen auf dem Weg war, haben wir die meiste Zeit Englisch gesprochen, damit wir uns alle untereinander verstehen und sich keiner ausgeschlossen fühlte.

Wieviel Geld werde ich benötigen?

In den drei Wochen, die ich auf dem Weg war, habe ich drei Mal je 200 EUR mit meiner Kreditkarte vom Automaten gezogen und davon ein wenig Geld mit nach Hause gebracht, obwohl ich ein paar Souvenirs gekauft hatte. Mit den Flügen zusammen habe ich insgesamt ungefähr 900 EUR ausgegeben, was einem Tagesbudget von etwas mehr als 40 EUR mit Flügen und knapp unter 30 EUR ohne Flüge ausmacht. An den meisten Tagen haben wir zusammen gekocht und somit die Kosten sehr gering gehalten. Der günstigste Tag schlug mit 6,40 EUR zu Buche, als ich für das Bett in der Herberge 5 EUR bezahlte und das Essen für jeden 1,40 EUR bedeutete. Und der Wein war auch schon mit dabei! In Santiago dann kostete ein Tag deutlich mehr: Das Bett 16,50 EUR, ein Bier und ein Essen mit Dessert rund 30 EUR, also insgesamt circa 46,50 EUR.

Wie schläft man in einem Raum voller fremder Menschen?

Ich muss ganz ehrlich gestehen, dass das meine größte Sorge war. Wenn ich müde und erschöpft bin, meine Ruhe brauche, mit so vielen fremden Menschen einen Schlafraum zu teilen. Nachts im Schlafanzug auf die Toilette zu gehen, die Geräusche und die Gerüche der anderen… Ich habe es mir viel schlimmer vorgestellt, als es tatsächlich war. An den permanenten Geruch nach Fuß gewöhnst du dich sowieso und wenn du Ohrstöpsel dabei hast, machen dir die Geräusche auch nicht viel aus. Dass das Bett wackelt, wenn derjenige über oder unter dir sich umdreht, merkst du auch nur dann und wann, denn du wirst abends müde sein. So hatte ich mich schon nach zwei Nächten daran gewöhnt, mit mehren Leuten in einem Raum zu schlafen. Eine Alternative stellen Hostels oder Hotels dar, die aber auch oft Mehrbett-Zimmer haben, das Geld kannst du dir getrost sparen. Und ganz ehrlich: im Nachhinein gesehen, macht es auch den Charme des Jakobsweges aus.

Welche Etappen soll ich gehen?

Diese Frage wurde mir schon am ersten Tag mehr oder weniger abgenommen, denn ich hatte ein paar sehr nette Menschen kennengelernt, die mich nach schmerzhaften Tagen wieder aufbauten. Also bin ich die gleichen Etappen wie sie gegangen. Das klappte an manchen Tagen besser und an manchen Tagen war es hart. Denn es bedeutete, über die eigenen Kräfte hinauszugehen. Aber die Gesellschaft am Abend und das gemeinsame Kochen haben mich immer wieder entschädigt. Im Prinzip sind wir die Etappen gegangen, die im Reiseführer angedacht waren. Lediglich an der einen oder anderen Stelle, haben wir schon einen Ort früher aufgehört oder sind einen Ort weitergegangen.

Wie werde ich als Veganer auf dem Weg zurechtkommen?

“Was kann man denn als Veganer noch essen?” Diese Frage bekomme ich hin und wieder gestellt. Dass ich sie mir mal selbst stellen würde, hätte ich nicht gedacht. Das vegane Angebot auf dem Camino lässt leider zu wünschen übrig. Wenn du deine Etappen allerdings um die vegetarischen Herbergen planst, wirst du wahrscheinlich mehr Glück haben. Für mich gab es öfter Salat und Pommes, als mir lieb war. Aber ich hatte auch viele, ganz leckere Mahlzeiten. Vor allem am Anfang des Weges gab es fast in jeder Herberge eine gut ausgestattete Küche, sodass ich mich mit einigen Pilgern zusammen getan habe und wir etwas leckeres, fleischfreies gekocht haben. Dank Lara, die Vegetarierin ist, kochten sie sowieso schon vegetarisch und schraubten für mich dann nochmal ein bisschen zurück, sodass wir unsere Gerichte auf den kleinsten, gemeinsamen Nenner abstimmten. Es gab unter anderem Paella mit Gemüse, Pasta Puttanesca, Salat mit Kichererbsen, Bratkartoffeln mit Salat und dazu immer ein Glas Rotwein. Oft gönnten wir uns eine Tafel Schokolade dazu, die wir zu sechst oder acht teilten ?.

Mein Frühstück bestand meist aus Baguette, Obst und ein paar gesalzenen Nüssen. Später klemmte ich dann auch gerne mal eine paar Stückchen Schokolade zwischen ein Baguette oder beschmierte es mit Avocado oder belegte es mit Tomatenscheiben. Zwischendurch gab es bei mir Haferflockenkekse, die ich am ersten Tag in einem Supermarkt gefunden hatte und die glücklicherweise vegan waren. Ein paar Stückchen Schokolade waren darin und dadurch schmeckten Sie lecker und sättigten durch die Haferflocken ordentlich. Du siehst schon: Verhungern wirst du als veganer Pilger nicht. Ich habe von manch einem Veganer gehört, der auf dem Weg zum Vegetarier wurde, weil es zu schwierig war, auf sämtliche Tierprodukte zu verzichten. Das wäre nichts für mich gewesen, denn ich kam auch ohne Tierprodukte zurecht. Lediglich beim Wein habe ich meine persönliche Ausnahme gemacht und nicht geprüft, ob dieser vegan ist.

Was nehme ich mit und werde ich Dinge vermissen?

Da ich schon ein bischen Wandererfahrung hatte und auch schon eine Standard-Packliste im Kopf, war die Entscheidung, welche Dinge ich auf den Jakobsweg mitnehmen werde, relativ einfach. In diesem Beitrag, den ich vor der Reise geschrieben und vor kurzem korrigiert habe, siehst du, was ich dabei hatte und auch, was ich wieder mitnehmen würde. Ich bin froh, auch mein MacBook mit dabei gehabt zu haben, um meine Erlebnisse zu bloggen. Natürlich, ein Notizbuch hätte es auch getan. Aber du siehst allein daran, wie lange es gebraucht hat, bis ich dieses Fazit geschrieben habe, dass mir im Alltag die Zeit fehlt, soviel Schreiberei nachzuholen. Die Arbeit und der Rezeptteil des Blogs füllen meine Freizeit gut aus. Von daher war es gut, dich fast live auf dem Laufenden zu halten. Außerdem war es auch meine Verbindung nach Hause und an einem Abend in Finisterra habe ich einen Video-Abend mit Dosenbier und Mikrowellenpopcorn einlegen können, was mir sehr gut getan hat.

Wird der Camino mich verändern?

Bis einen Tag vor Santiago war ich der festen Überzeugung, dass es eben doch nur eine Wanderung ist. Klar, man kann immer viel in Dinge hinein interpretieren und einen Sinn finden. Dafür braucht man den Jakobsweg nicht. So oder so ähnlich waren meine Worte an Katy, die mit mir wanderte. Ich hatte die Befürchtung, dass ich in Santiago de Compostela ankommen werde und nichts fühle. Die Befürchtung stellte sich glücklicherweise als unbegründet heraus. Denn als Katy und ich vor der Kathedrale standen, umarmten wir uns und ich war sehr gerührt. Auch die Messe, die wir kurze Zeit später besuchten, hat mich sehr bewegt und zum einen oder anderen Tränchen geführt. Ich weinte vor Erschöpfung, Erleichterung, Überforderung von der Masse an Menschen, der Lautstärke und Rührung über den Gesang des Chores.
Erst in der Woche, die ich in Finisterra verbrachte, kam ich zur Ruhe, die Schmerzen verschwanden und ich hatte den Kopf frei, um über die Erlebnisse nachzudenken. Und dann hatte mich der Weg. In meinem Kopf tummelten sich die schönsten Erinnerungen und ich erkannte, wieviel ich gelernt hatte. Zum einen im Zusammenleben mit anderen, aber auch über mich selbst. Sowohl über meine Schwächen, als auch meine Stärken. Auf dem Weg zum Flughafen am letzten Tag, formulierte ich Sätze in meinem Kopf, die ich für dieses Fazit verwenden wollte. Mir kamen wieder die Tränen, vor Rührung. Die Sätze habe ich natürlich bis heute vergessen, was aber bleibt ist ein Gefühl. Ein Gefühl, dass ich am letzen Abend am Strand fühlte. Wir waren zu knapp 30 Leuten an einen Strand in Finisterra gegangen um zu Essen, zu Trinken und beim Lagerfeuer zu sitzen. Einen Moment lang war ich etwas abseits der Gruppe und genoss die Welt um mich herum. Vor mir das tobende Meer, hinter mir die schroffen Felsen, unter mir der feine Sand und das Ganze zugedeckt von einer Decke aus Sternen. Solch einen Sternenhimmel hatte ich vorher noch nicht gesehen. Ich fühlte mich so behütet in diesem Augenblick. Soweit weg von zu Hause, allein, am “Ende der Welt” und doch fürchtete ich nichts. (Oh Mann, mir kommen beim Schreiben schon wieder die Tränen. Das hat der Jakobsweg auch aus mir gemacht: eine Heulsuse. Das kannte ich vorher nicht).
Die wichtigste Lehre, die ich aus meinem Jakobsweg-Abenteuer ziehe ist diese:

 
“Was passieren wird, wird passieren. Du musst nur schauen, wie du damit umgehst und was du daraus machst.”
 
 

Werde ich es wieder tun?

Auf jeden Fall! Ob es aber ein Jakobsweg oder eine andere Strecke sein wird, weiß ich noch nicht genau. Ich werde auf jeden Fall wieder die Wanderschuhe schnüren, meinen Rucksack aufsetzen und mich auf einen längeren Weg machen. Ein großer Traum sind und bleiben der PCT – Pacific Crest Trail und der Appalachian Trail in den USA, die ich gerne mal bewandern möchte. Ob ich das in diesem Leben noch in die Tat umsetzen werde oder ob es beim Traum bleibt, werde ich sehen. Aber auch den Jakobsweg möchte ich nochmal gehen. Nicht in naher Zukunft, sondern eher in Richtung Rente vielleicht? Denn ich habe längst nicht alles gesehen und möchte ein paar Dinge nachholen, die ich dieses Mal verpasst habe.

Was werde ich beim nächsten Mal anders machen?

Der Weg war gut so, wie er war. Punkt. Daran möchte ich nicht rütteln. Er hat mich Dinge gelehrt und dazu beigetragen, wie so viele andere Dinge, die ich bisher in meinem Leben erlebt habe (ja, auch die blöden Dinge!) mich zu dem Menschen zu machen, der ich heute bin. Dennoch würde ich beim nächsten Mal auf ein paar Dinge besser achten. Dazu gehören zum Beispiel ein besseres Schuhwerk, damit ich nicht so arge Schmerzen habe. Oder einen Rucksack, der angenehmer zu tragen ist. Da ich diesen Weg mit dir auf meinem Blog geteilt habe, würde ich bei meiner nächsten Wanderung wahrscheinlich mein MacBook nicht mitnehmen (Da bin ich mir ganz ehrlich gesagt aber nicht 100%ig sicher, da ich es, bis auf die zusätzlichen 1,3 kg, sehr genossen habe). Ich würde das nächste Mal vielleicht ein bisschen mehr planen, sodass ich meine Etappen auf die vegetarischen Herbergen ausrichte, an denen ich dieses Mal vorbeigekommen bin, aber keine Nacht verbrachte. Da würde ich beim nächsten Mal auch stärker auf mein Gefühl hören und in meinem Tempo laufen. Das ist es eigentlich auch schon. Ansonsten bin ich mit den Erfahrungen, die ich gemacht habe sehr zufrieden.

Ich kann jedem empfehlen, einmal solch eine Reise zu machen. Und zwar allein. Die Erfahrungen, die du sammelst, die Menschen, denen du begegnest und das Kennenlernen deiner selbst wird dich dein Leben lang begleiten und wahrscheinlich auch verändern oder zumindest beeinflussen. Ich bin froh, mich dafür entschieden zu haben und freue mich schon auf meinen nächsten Trip mit mir.

Alles Liebe

11 Kommentare

  1. Grube, Karl-Heinz
    Mittwoch, der 27. September 2017 / 20:29

    Hallo Rina,

    im Prinzip kann ich alle Deine Gedanken nachvollziehen. Aber warum suchst Du nach Entschuldigungen?
    Du hast Dich entschlossen den Jakobsweg zu gehen. War es Neugierde? War es der Entschluss: Das schaffe ich auch?
    War es Ehrgeiz? Oder war es, was ich hoffe, eine Suche? Eine Suche nach Beantwortung von Fragen die Dich beschäftigen?

    Man kann die Wirkung, die persönlichen Veränderungen, den Einfluss auf den Alltag, die Sichtweisen, nur mit sich selbst ausmachen.

    Was bleibt ist Staunen! Man kann den Jakobsweg auch als eine ganz normale Wanderung erleben. Eine Wanderung mit Start und Ziel. Aber er ist mehr! Da sind die Begegnungen. Die Normalität die sich zwischen den Pilgern ergibt. Die Freude die uns die Einheimischen entgegenbringen. Wie wohltuend ist ein freundlichen Ultreya, zugerufen von Bauern beim beackern ihres Feldes.

    Das bleibende ist jedoch das eigene erleben. Die Dialoge mit sich selbst. Das Verzeihen. Die inneren Fragen, die beantworteten, sowie die unbeantworteten. Das in sich reinhören. Die Offenheit mit sich selbst.

    Ich war mehrere Male auf den Jakobsweg unterwegs. Zweimal, per PKW mit meiner Ehefrau. Zweimal als “echter” Pilger und in diesem Jahr, mit Tochter und Schwiegersohn, per pedes. (ein Geschenkt zu meinem 70. Geburtstag – (toll!)

    Alle Reisen waren auf ihre Art wunderschön. Aber die Fußwanderungen gingen einfach noch tiefer! Das hineinhorchen, verzeihen, verstehen – da erlebte, den Geist des Camino wie man so sagt. Es stimmt: Der Camino verändert. Macht froh …und vielleicht auch frei!?

    Ich wünsche Dir noch weitere erfolgreiche Pilgerwanderungen und die rechten Sichtweisen. Bon Camino Karl-H1
    (anbei ein Gedicht, verfasst 2004, auf meinem ersten Pilgerweg)

    Gedanken

    Auf meinem Wege, Schritt um Schritt
    Gehen die Gedanken mit
    Beim Auf und Ab – und immer weiter
    Sind sie ständig Wegbegleiter

    Links und rechts – tief und hoch
    Eine Lösung gibt es doch?
    Warum und was? – Wann und wer?
    Die Gedanken schießen quer

    Weshalb dies? – Wie und wo?
    Was ist richtig – und wieso?
    Was ist fern – Was liegt nah?
    Gedanken flieht mir – immerdar!

    Der Wanderstab schlägt seinen Takt
    Eine Melodie die packt
    Die begleitet und diktiert
    Und sich wieder ganz verliert

    Auf dem Weg – zum eig’nen Ich
    Eine Erfahrung sicherlich
    Mit sich selbst und nie allein
    Das muss Seelenwandern sein

    Tik-tok, tik-tok – gleicher Klang
    Immer weiter stets voran
    Die Gedanken eilen voraus
    Sind nicht hier, sind nicht zu Haus

    Sind selbständig, nicht zu fassen
    Wollen sich nicht halten lassen
    Fliegen hoch, fliegen weit
    Kennen nicht den Plan der Zeit

    Lass sie Pilger, lass sie los
    Sie belasten Dich sonst bloß
    Flieg mit den Gedanken fort
    An jeden ausgewählten Ort

    Fliege mit, mach Dich frei
    Von dem Alltagseinerlei
    Lass Dich treiben, mach Dich leer
    Pilgersmann – was willst Du mehr?
    (KHG 2004)

  2. Doreen
    Montag, der 12. Juni 2017 / 12:23

    Hallo liebe Rina! Zufällig bin ich auf Deinen veganen Blog gestoßen und beim Heruntescrollen DEINEN Jakobsweg entdeckt! Ich habe mitgefühlt – sind mein Mann und ich auch schon 2x den Camino del Norte gelaufen! Das Gefühl, als der Camino del Norte mit dem Camino Frances zusammen lief, war eher schockierend als schön… Aber gut – auch das gehört dazu! Beide Male (2011 und 2016) haben wir ein Zelt dabei gehabt, um auch relativ unabhängig zu sein! 2011 haben wir sehr oft davon Gebrauch gemacht – letztes Jahr eher weniger… Auch was das Essen anbelangt, war es für mich im letzten Jahr auch sehr eintönig Salat und Ei in allen Variationen! Wie Torsten schon geschrieben hat – die Spanier werden nicht auf ihre Chorizo verzichten! Wir werden definitiv in den nächsten Jahren die Wanderschuhe schnüren – dieser Weg ist doch irgendwie magisch und verändert still und leise die Menschen, die diesen Weg gehen! In diesem Sinne – Buen Camino! Liebe Grüße Doreen

    • Montag, der 12. Juni 2017 / 22:31

      Liebe Doreen,
      den Camino del Norte will ich auch noch unbedingt machen. Er soll so schön sein. Da würde ich dann auch ein Zelt und meinen Kocher mitnehmen, damit ich solange laufen kann, wie ich will.
      Samstag geht es für mich auf die Via Baltica. Ich bin mal gespannt, wie es hier in Deutschland ist zu pilgern. Aber ich glaube auch hier ist es in ländlichen Gegenden sehr schwierig ein gutes, veganes Angebot zu bekommen. Ich lass mich überraschen.
      Liebe Grüße
      Rina

  3. Samstag, der 14. Januar 2017 / 16:04

    Tatsächlich bleibt es abzuwarten, wie sich die Kulinarik auf dem Jakobsweg in den nächsten Jahren anpassen wird. Aber du hast vollkommen recht, wenn niemand fragt, dann kann es auch keiner wissen … und passieren wird dann vermutlich recht wenig.

    Das der Jakobsweg irgendwann vegan wird glaube ich jedoch nicht. Dazu lieben die Spanier ihre Chorizo einfach viel zu sehr … 😉

    Aber zum Glück gibt es so inspirative Blogs wie deinen hier.

    Grüße, Torsten …

    • Sonntag, der 15. Januar 2017 / 17:36

      ? Dankeschön!

      • Montag, der 16. Januar 2017 / 22:33

        Ja gerne! Muss ja auch mal gesagt werden … 🙂

  4. Dienstag, der 10. Januar 2017 / 22:50

    Hallo Rina!

    Ich kann absolut nachvollziehen, was du hier in deinem Fazit über deinen Weg auf dem Jakobsweg geschrieben hast. Ich war letztes Jahr auf dem Camino del Norte und gleich im Anschluss auf dem Camino Portugues unterwegs. Bis Finisterre habe ich es leider noch nicht geschafft. Aber der nächste Jakobsweg kommt bestimmt.

    Ich bin begeistert, dass du dich als Veganerin auf dem Jakobsweg doch so abwechslungsreich ernähren konntest. Was sicher vor allem daran lag, dass du am Abend dich selbst hingestellt und dir etwas zubereitet hast.

    Auf meinem Weg nach Santiago de Compostela habe ich eine Pilgerfreundin auf ihren Etappen begleitet, die sich vegetarisch ernährt. Da wir am Abend häufig in Restaurants gegessen haben viel diese Mahlzeit immer gleich aus … Salat und Spiegelei … nicht unbedingt einfallsreich. Wobei doch die Nachfrage nach anderen Ernährungsformen sicher sehr stark sein sollte und man mit einem „anderem“ Angebot doch ordentlich punkten könnte. Merkwürdig. Oder?

    Schön, dass du deine kulinarische Reise hier auch in Bildern veröffentlich hast. Für andere Pilger sicher sehr hilfreich und inspirierend.

    Grüße, Torsten … 🙂

    • Mittwoch, der 11. Januar 2017 / 06:34

      Hallo Torsten,
      zwei Caminos hintereinander? Respekt! Den Camino del Norte möchte ich auch gerne noch gehen!
      Ohne selber zu kochen wäre mir ziemlich langweilig geworden, das stimmt. Ich verstehe auch nicht, warum nicht zumindest vegetarische Gerichte angeboten werden. Als ich unterwegs war, habe ich 6 oder 7 Vegetarier kennengelernt. Die Nachfrage ist also da. Ich könnte mir aber vorstellen, dass man zu erledigt ist, um mit Nachdruck zu hinterfragen, warum es nichts veganes/vegetarisches gibt. So bekommen die Gastronomen das vielleicht gar nicht mit. Ich habe zum Beispiel auch nicht nach Extra”würsten” gefragt, sondern einfach Salat mit Pommes bestellt…
      Aber bei uns sieht es in ländlichen Regionen auch nicht besser aus. Da müssen wir noch ein bisschen warten, bis das auch dort ankommt.
      Liebe Grüße
      Rina

  5. Carolin
    Samstag, der 17. Dezember 2016 / 11:28

    Hallo Rina,
    Dein Fazit ist auch für mich bewegend.
    Ich habe die Reise über mitgefiebert (was ich in dem Ausmaß ehrlich gesagt nicht erwartet hatte) und jeden Tag auf ein neues “Lebenszeichen” gewartet. Und nun die versöhnlichen, schönen Worte zu lesen stellt auch mich sehr zufrieden.
    Ich kann nur noch mal sagen: ich bewundere dich für diesen Plan und das, was du geleistet hast! Ich bin stolz auf dich!

    :*

    • Samstag, der 17. Dezember 2016 / 11:32

      Liebe Carolin,
      ich danke dir für deine lieben Worte. Es freut mich, dass du gedanklich auf meiner Reise dabei warst.
      Und ich bin auch ein bisschen stolz auf mich…
      Liebe Grüße
      Rina

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