Wandern auf La Palma – Von La Zarza nach Don Pedro und zurück

Wandern auf La Palma – Von La Zarza nach Don Pedro und zurück

Nachdem ich gestern den ganzen Tag gefaulenzt habe, geht es heute wieder sportlich zu. Ich habe zwar seit gestern ein bisschen Halsschmerzen, aber das kann mich nicht aufhalten. Als ich darüber nachdenke, fällt mir ein, dass die Frau neben mir im Flugzeug sich eine Halsschmerztablette aus dem Blister gedrückt und gelutscht hat. Da habe ich also die Viren her. Und nach der Wanderung vor zwei Tagen bin ich nassgeschwitzt mit offenem Fenster nach Hause gefahren. Da konnten Sie dann wohl angreifen… Na ja, wie auch immer. Ist jetzt eh nicht zu ändern.

Die Tour, die ich mir ausgesucht habe, führt durch einen urwaldähnlichen Wald von La Zarza hinab nach Don Pedro und dann wieder zurück. Der Weg dorthin ist erstmal schon sehr lang. Ich fahre mit dem Auto knapp 1 1/2 Stunden durch den kurvenreichen Nordwesten, immer am Fels entlang. Ich passiere einen Kiefernwald und bin fasziniert von dessen Schönheit. Hier will ich auf dem Rückweg anhalten und ein paar Fotos machen.

Dann plötzlich ziehen Wolken auf und es wird merklich kühler. Ich schließe das Fenster und es beginnt zu nieseln. Das Wetter klart bis ich am Startort bin nicht mehr auf und so beginne ich die Tour im Nieselregen, der aber größtenteils vom Wald abgehalten wird, in den ich sofort eintauche.

Hier ist der Track zu meiner Tour:

Nach nur zwei Minuten zu Fuß, stehe ich im Urwald. Ich bin völlig fasziniert und schieße ein Foto nach dem anderen. Wie die Wolken in den Wald hinab sinken ist wunderschön und sorgt zudem für eine mystische, fast ein bisschen unheimliche Stimmung. Es ist nass-kalt und ich bin mutterseelenallein.

Und wieder einmal bin ich scheinbar die einzige, die hier wandern will. Auf dem Parkplatz stand noch ein weiteres Auto auf dem Parkplatz. Aber nur eins. Bin ich etwa zu früh unterwegs? Kommen die Anderen noch, oder wandern sie einfach nicht gerne? Oder nur solche Routen, die halb mit dem Auto befahren werden können?

Es duftet so wunderbar. Es erinnert mich ein bisschen an meinem Pfefferminztee, den ich heute Morgen hatte, aber holziger um waldiger. Ich werde nicht müde den Urwald zu fotografieren, der einfach zu schön ist.

Hier ist es so still, dass ich mich erschrecke, als ein Vogel knapp neben mir aus dem Gebüsch losfliegt. Dann wird es wärmer, aber  die Feuchtigkeit bleibt und ich höre ein Surren. Im besten Fall sind es Fliegen, im schlimmsten Mücken. Ich gehe schnell weiter.

Dann wird es noch steiler als bisher und es wird noch wärmer. Ich habe nun das Gefühl in einem tropischen Urwald zu sein. Mir läuft der Schweiß nur so runter und meine Brille beschlägt sofort, wenn ich einen Augenblick stehenbleibe, um ein Foto zu machen.

Mein Handy meldet sich mit seinem Alarm, dass ich vom Weg abweiche. Da es hier aber nur diesen einen Weg gibt, der mit zwei Streifen in gelb und weiß markiert ist, bin ich mir dennoch sicher, auf dem richtigen Weg zu sein. Das GPS hat scheinbar Probleme, mich zu orten. Kein Wunder, ich bin schließlich im Urwald!

Es wird immer nasser und als ich den Wald verlasse, nieselt es nicht mehr, sondern regnet es. Ich hole meine Regenjacke aus dem Rucksack und stelle fest, dass sich mein halbes Mittagessen darauf verteilt hat. Diese Dosen, die in der Ferienwohnung stehen, sind aber auch selten dämlich und schließen nicht richtig. Die Plastiktüte, die ich in weiser Voraussicht darum gebunden hatte, wurde vom Deckel aufgeschlitzt und hat so leider auch nicht dicht gehalten. Ich ziehe meinen Hut auf und gehe ein Stückchen weiter, bis sich mein Halskratzen wieder meldet und daneben ein Unmut, der in Richtung Bockigkeit geht. Irgendwie habe ich keine Lust mehr. Ich beschließe zurück zu gehen, denn ich habe vor ein paar Metern einen Abzweig gesehen, der mich in 3 km wieder zum Ausgangspunkt bringt. Also gehe ich heute nur eine kleine Runde. Auf dem Camino wäre ich weitergelaufen. Weil es keinen anderen Weg gäbe. Aber heute habe ich einfach keinen Bock mehr weiterzugehen. Ich bin müde.

Die Entscheidung erweist sich als vollkommen richtig, denn es wird immer nasser und windiger. Ich rieche die ganze Zeit mein Essen, welches in den Kragen der Jacke bezogen ist. Leider überdeckt es auch den Waldgeruch, den ich so gerne mag.

Ich komme an einem schönem Haus vorbei, das bei gutem Wetter eine tolle Aussicht haben muss. Nebenan hat es einen Obstgarten und direkt vor dem Haus steht je eine Orangen- und Limettenbaum. Ich fotografiere ein paar Blüten mit Wassertropfen und gehe weiter, als ein Hund zu bellen anfängt. Der Hund kommt tobend auf mich zugelaufen, einen Zaun hat das Anwesen nicht. Ich erschrecke und bleibe stehen. Eigentlich habe ich keine Angst vor Hunden, aber wenn einer wild-bellend mit zornigem Gesicht auf mich zugestürmt kommt, ist das offensichtlich was anderes. Er läuft bellend um mich herum und ich bewege mich langsam vorwärts. Er lässt mich ziehen und läuft mir nicht hinterher. Als ich wieder alleine bin, ärgere ich mich über den Vorfall. Der Hund wollte sein Revier verteidigen, klar. Aber das hier ist ein offizieller Wanderweg! Warum ist das Anwesen nicht eingezäunt? Und wo war das Herrchen, um mich aus der misslichen Lage zu befreien?

Der Weg zurück ist anstrengend, da bergauf, aber gut zu bewältigen. Ich komme an ein paar ärmlichen Behausungen vorbei und frage mich, ob hier tatsächlich jemand wohnt. Da hier Hühner und auch Ziegen eingezäunt sind, vermute ich es. Ich bin so erschrocken über den Müll, Dreck und die Art der Behausung, dass ich vergesse Fotos zu machen. Es wäre vermutlich auch pietätlos gewesen. Eine der Ziegen kommt auf mich zu und blökt mich an. Ich muss lache und drehe ein Video davon. Es ist zu komisch, wie sie mich anguckt, “Böäh” schreit und dabei ihre Zunge weit rausstreckt.

Das letzte Stück des Weges führt mich an der Straße entlang. Dort sehe ich einen Tausendfüßler, der schneller in den Steinritzen verschwindet, als dass ich ihn fokussieren könnte. Laut Wanderführer gibt es nur ein giftiges Tier auf La Palma: den Hundertfüßler. Ich will zu Hause mal schauen, ob ich zufällig auf ihn gestoßen bin, oder es nur ein kleiner, harmloser Verwandter ist. (Zu Hause stelle ich fest, dass der gefährliche doch ein bisschen anders aussieht)

Als ich am Auto ankomme, esse ich mein Mittagessen, dass ich schon die ganze Zeit rieche und mache mich dann auf den Heimweg. Ich wollte ja die Kiefernwälder fotografieren, bei denen ich auf der Hinfahrt vorbeigekommen bin. Es ist wunderschön dort und ziemlich windig. Mittlerweile haben sich auch die Wolken verzogen und es scheint wieder die Sonne.

Den Rest des Tages verbringe ich wieder mal mit Wäsche waschen und kochen. Außer die stinkende Jacke, die wasche ich nicht. Ich hatte sie vergessen und wollte sie nach dem Start der Waschmaschine noch dazulegen, aber die Waschmaschine ließ mich nicht. Warten, vom Strom nehmen, ein anderes Programm auswählen… Nix. Da lobe ich mir doch meine 20-Jahre alte mechanische Maschine, da kann ich immer zulegen. Nun denn, dann wird sie übermorgen gewaschen…

Bis bald aus La Palma!
Alles Liebe

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