Mein Camino Português – Von Porto nach Labruge

Mein Camino Português – Von Porto nach Labruge

Diese Nacht hat mich, wie schon die Nacht davor, eine Mücke geärgert. Ich wache mehrmals auf, weil es juckt und brennt. Ich reagiere immer etwas heftiger auf Mückenstiche ohne eine wirkliche Allergie zu haben. Vielleicht stelle ich mich aber auch einfach nur an. Es ist sehr warm in der Nacht, was es zusätzlich schwierig macht, gut zu schlafen. Kurz nach 6 sind wir beide wach und machen uns langsam fertig für die Wanderung. Die Luft draußen ist herrlich!

Wir sind noch ungeübt beim ersten Packen heute, daher dauert es auch etwas länger. Gegen 7:15 Uhr machen wir uns dann auf den Weg. Die Stadt schläft noch, während wir hintereinander auf den schmalen Bürgersteigen durch die Stadt wandern.

Auch jetzt ist es schon gut warm, aber es weht ein leichtes Lüftchen, was sehr angenehm ist. Zwei Pilgerinnen treffen wir schon auf dem Weg, die beiden ziehen an uns vorbei. Ich bekomme den ersten Ohrwurm des Tages: Das Lied zu dem Belle von „die Schöne und das Biest“ durch das Örtchen geht. Die Verfilmung mit Emma Watson hatte ich vor ein paar Tagen gesehen.

Gegen 9 kommen wir an einem Restaurant vorbei, das direkt am Wasser liegt. Es hat gerade geöffnet und wir ordern dort unseren ersten Kaffee. Die Pause war auch dringend nötig, denn meine Füße qualmen. Ich bin total aufgequollen ich kann kaum meine Finger bewegen, so dick sind sie.

Die Strecke ist nicht ganz so schön, wie erwartet. Aber der ursprüngliche Jakobsweg soll in diesem Abschnitt noch weniger schön sein. Daher ist es wahrscheinlich besser, dass wir die Küstenvariante gehen. Wir passieren den Hafen und überqueren eine große Brücke. Danach kommen wir an einem kleinen Café vorbei, dessen Inhaber uns unbedingt seinen Stempel aufdrücken möchte. Wir nehmen gerne an und holen uns einen Stempel für den Pilgerpass ab. Mit uns sind noch vier weitere Pilger da, die auch ihren Stempel holen.

Es wird zunehmend ländlicher, oder eher vorstädtischer, was uns gut gefällt. Bald sehen wir wieder das Meer und laufen daran entlang.
Unter ein paar Bäumen finden wir Schatten und machen dort eine Pause. Wir essen unsere restlichen Nudeln von gestern und lüften unsere Füße. Die Socken trocken sehr schnell und bald geht es weiter auf dem Weg entlang und schließlich über einen Holzweg immer weiter in Richtung Norden.

Die nächsten anderthalb Stunden führen uns auf dem Holzweg weiter, den wir jetzt schon nicht mehr sehen können. Wir sind froh, dass wir uns für den traditionellen Weg durchs Landesinnere ab Rates entschieden haben. Es wird zunehmend wärmer und ich merke das Gewicht auf meinen Füßen. Wir machen nochmal eine Pause, um einen weiteren Espresso und etwas Orangenschorle zu trinken.

Die letzten 4 km sind anstrengend und tun weh, mir zumindest. Und sind vor allem warm, sehr warm.
Am Campingplatz Orbitur begrüßt uns Rainer, der Hospitalero, und wünscht uns ein herzliches Willkommen. Er checkt uns ein, kassiert von jedem elf Euro für einen Bungalow, den wir uns teilen. Dort angekommen legen wir uns erst mal auf Couch und Bett, um das Blut aus den Beinen wieder gen Kopf zu bringen. Ein paar Nudeln von gestern sind noch übrig, die wir essen und ein paar Kekse müssen auch sein. Nachdem wir die erste Hitze abgeschüttelt haben, ziehen wir uns unsere Badeanzüge an und machen uns mit unserer dreckigen Wäsche und unserem dreckigen Geschirr in Richtung Waschstation. Und schon macht sich mein neuestes Utensil meiner Packliste nützlich: Es gibt nämlich keinen Stöpsel für die Waschbecken und bei laufendem Wasser Wäsche waschen ist irgendwie sehr ineffektiv.

Dann machen wir uns auf in Richtung Pool, um uns so richtig abzukühlen. Am Pool schreibe ich den heutigen Bericht und danach gehen wir kurz im Supermarkt vorbei, um etwas Wasser und Proviant für morgen zu kaufen.

Der Supermarkt bietet auf großer Fläche sehr wenig Auswahl und vor allem nicht das, was wir suchen. Eigentlich ist uns nach Avocado mit Tomate auf Baguette zum Frühstück, aber es gibt nichts Frisches. Weder Baguette, noch Avocado oder Tomaten. Im Restaurant schauen wir uns das Menü an und sind wenig überzeugt. Das Pilgermenü gibt es zwar mit Fleisch, Fisch und auch als vegetarische Variante, aber vegetarisch reicht uns nicht aus. Daher entscheiden wir uns für die Pizzeria, die etwas außerhalb vom Campingplatz liegt. Auf dem Weg dorthin gehen wir auch noch mal eben in den Supermarkt, der daneben liegt und kaufen Tomaten, Gurken und Brot, um es zum Frühstück zu essen. Außerdem landen noch zwei Pfirsiche und ein 5 Liter-Wasserkanister im Einkaufskorb.

Da wir Lust auf einen gemischten Salat haben, fragen wir ob wir einen Insalata Mista bekommen können, obwohl er nicht auf der Karte steht. Der Besitzer ist bereit, uns den Salat zuzubereiten. Das Essen ist fantastisch und wir sind sehr dankbar, dass wir den heutigen Campingplatz als Schlafplatz ausgewählt haben, sonst wäre uns dieser kulinarische Genuss verwehrt geblieben.

Nach dem Essen schlendern wir zurück zum Campingplatz, wo wir einen tollen Sonnenuntergang sehen können. Wir sind sehr müde und schlafen bestimmt ganz schnell ein.

Bis morgen!
Alles Liebe

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