Mein Camino Português – Von Arcade nach Portela

Mein Camino Português – Von Arcade nach Portela

Diese Nacht ist es kalt. Zu kalt, um vernünftig zu schlafen. Steffi schläft fast gar nicht und ich wache regelmäßig auf. Im Schrank habe ich zwar noch ein paar Wolldecken gefunden, aber auch sie sind nicht warm genug. Steffi hat sich einen Schnupfen eingefangen und ist ziemlich angeschlagen. Ich habe derweil Probleme mit meinen Füßen. Sie schwellen sehr schnell heftig an und ich habe das Gefühl, dass das Blut nicht anständig wieder hochgepumpt wird. Da in meiner Familie fast alle ein Venenleiden haben, liegt die Vermutung nahe. Ich werde, wenn ich wieder zu Hause bin, nach Kompressionsstrümpfen schauen, die ich beim Wandern tragen kann. Ich hoffe, damit die Probleme beheben zu können. Nun gut, das hilft mir aber jetzt nicht. Also einfach weitergehen.

Wir starten den Tag wieder um 7 und gehen zu Beginn durch Arcade. Es geht immer wieder auf und ab und dann wieder in die Natur. Ich muss häufiger Pause machen als die Tage zuvor, was unangenehm für Steffi ist, denn sie friert bei den heutigen kühlen Temperaturen um 8° C. Sie beschwert sich aber nicht. Ich gebe ihr meinen Pulli, den ich nicht benötige und damit wird es ihr schon wärmer.

Kurz vor Pontevedra kommen wir an eine Weggabelung. Wir haben die Wahl zwischen 2,7 km Straße bis in die Stadt oder 3,8 km an einem Bach entlang. Wir entscheiden uns für den Bach und werden mit einer tollen Kulisse belohnt. Hier ist es wirklich sehr schön. Ich wünschte, ich könnte es mehr wertschätzen, aber  die schmerzenden Füße sind fast unerträglich. Ich habe bei manchen Schritten das Gefühl, als würden meine Zehen platzen. Mitten in dieser schönen Natur kann ich nicht mehr und wir müssen wieder Pause machen. Ich breite mein Regencape auf einer zugewachsenen Wiese aus, wo es plötzlich nach Minze riecht. In der Wiese tummeln sich tausende Mini-Heuschrecken (keine Ahnung wie die heißen) und die Sonne kommt raus.

In Pontevedra gehen wir in einen Supermarkt und kaufen Kürbis, rote Bete, Salat und Kichererbsen. Daraus wollen wir in der Herberge einen Salat machen. Wir machen nochmal Pause in einem Café und bekommen dort einen café con leche di soya, der uns himmlisch schmeckt.

Wir laufen noch ein bisschen durch die Stadt und lassen uns dann auf dem Platz vor der Kirche nieder, um ein spätes Frühstück einzunehmen. Ich ziehe mir meine Turnschuhe an, um zu schauen, ob ich damit besser zurecht komme.

Ein paar hundert Meter außerhalb der Stadt tausche ich die Schuhe wieder, denn damit ist es nicht besser.

Die zweiten 10 km des Tages vergehen, im Nachhinein (!), wie im Flug. Ich motiviere mich schneller zu gehen und durchzuhalten, indem ich mir vorstelle, ich würde ein verletztes Familienmitglied zum Arzt tragen. Wenn’s hilft…

Als wir in der Herberge ankommen, bin ich dankbar, es endlich geschafft zu haben. Und, dass wir ein Bett bekommen. Denn hier gibt es nur 16 Betten. Die Herberge ist großartig. Es läuft Punkrock und die Wände sind übersät mit Orten, die die Pilger dort angeschrieben haben. Ich finde auch Wuppertal und Steffi verewigt Mettmann dort. Nach der Dusche machen wir eine Siesta, bevor wir dem Hospitalero bei der Zubereitung des Abendessens helfen. Wir schnibbeln unseren Salat und einen einfachen Salat aus Eisbergsalat, Tomaten, Zwiebeln und Karotten. Dazu gibt es Suppe mit Kohl, Kartoffeln, Kichererbsen und Nudeln und Tortilla für die anderen. Alle essen gemeinsam und lassen den Abend ruhig ausklingen. So macht pilgern Spaß!

Vom Rotwein habe ich ordentlich einen im Tee. Falls du hier also Rechtschreibfehler findest, sieh es mir nach! Ich freue mich schon auf morgen früh, dann gibt es hier nochmal Frühstück, bevor es weitergeht.

Gute Nacht und bis morgen!

Alles Liebe

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.


Etwas suchen?