Die Via Baltica – Von Heeslingen nach Zeven

Die Via Baltica – Von Heeslingen nach Zeven

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Ich habe mal wieder prächtig geschlafen. Gegen sieben mache ich mich auf den Weg zum Frühstücksraum und bin erstaunt über das Angebot. Aber nicht im positiven Sinne… Es gibt nicht einmal Margarine. Also esse ich mein Mehrkornbrötchen mit Gurke und Tomate ohne Aufstrich darunter. Auch Müsli stellt keine Alternative dar, denn es gibt nur Chocos, Smacks und Cornflakes. Über einfache Haferflocken hätte ich mich gefreut, denn die hätte ich dann mit Obst und Orangensaft gegessen. Aber gut, sie wussten nicht, dass ich mich vegan ernähre und ich hatte Margarine als Standard vorausgesetzt.

Der Weg nach Zeven führt durch einen Wald. Da ich nur rund 5 km zu gehen habe, lasse ich mir ordentlich Zeit. Der weiche Waldboden ist eine Wohltat für meine geschundenen Füße. Es regnet, aber der Regen macht mir nichts aus. Ich bin gespannt wie lange mein Hut durchhält.

Auf dem Weg versöhne ich mich mit den Gedanken von gestern. Ich habe gelernt, dass ich wachsam sein muss, damit meine Dämonen nicht das Ruder übernehmen. Ich möchte sie dir kurz vorstellen. Der eine Dämon heißt ‘Mach schnell!’ Und der andere Dämon heißt ‘Sei stark!’.
So positiv sich diese Eigenschaften auch meist auf mein Leben auswirken, so hoch ist auch die Gefahr, dass ich durch sie in einen Automatismus verfalle, wo ich dann nicht mehr reflektiert handle.
Es ist völlig okay auch mal einen Tag Pause zu machen. Da brauche ich auch nicht direkt ein schlechtes Gewissen zu haben. Genauso ist es in Ordnung zuzugeben, dass man Schmerzen hat und nicht mehr kann.
Ja ja, irgendwie lernt man immer etwas auf dem Weg zu sich selbst ?.

Ich komme an einem Freibad vorbei und finde die Außenanlage ganz entzückend. Dann gehe ich an dem Eingang vorbei und stelle fest, dass es ein Naturbad ist. Ich will auch ein Naturbad in Wuppertal! Das ist ja cool.

Als ich in Zeven ankomme, gehe ich durch die Fußgängerzone und komme so direkt am Rossmann vorbei. Dort kaufe ich ein paar Scholl-Einlagen, so wie ich es geplant hatte. Es regnet immer noch, aber mein Hut halt dicht.

Dann gehe ich zum Hotel und frage, ob sie mich schon einchecken können. Es ist erst viertel vor Zehn und ich rechne nicht damit. Und in der Tat ist mein Zimmer noch nicht fertig. Aber ich kann meinen Rucksack schon mal abstellen. Ich warte vor der Tür, lege die neuen Sohlen in die Schuhe und schmeiße die alten Einlegesohlen weg. Da auf der Verpackung stand, dass sie das Fußgewölbe unterstützen, bin ich erstaunt, dass die Einlagen keine Pelotte haben. Ich werde daher doch noch mal in eins der Schuhgeschäfte gehen und gucken, ob ich eine Einlage mit Pelotte bekomme. Als ich damals noch getanzt habe, habe ich mir in meine Tanzschuhe immer einer zehenfreie Einlage mit Pelotte gelegt, um so lange Tanzabende durchzustehen. Damit habe ich gute Erfahrung gemacht.

Dann ist mein Zimmer fertig, denn der Herr, der das Zimmer vor mir hatte, ist früh aufgestanden. Die Dame am Empfang erklärt mir, dass ich Glück gehabt habe noch ein Zimmer zu bekommen. Es gab eine Stornierung. Sonst sind alle Zimmer ausgebucht, da das Hurricane Festival an diesem Wochenende stattfindet. Sie erklärt mir wo es Frühstück gibt, wo mein Zimmer ist, wie die Schlüsselkarte funktioniert und wo der Eingang zur Sauna ist. Sauna??? Whaaaaaaaaat? Mein Gesichtsausdruck sagt wohl mehr als 1000 Worte. Sie fragt sichtlich amüsiert, ‘ob ich die Sauna nutzen wolle’. Ein breites Grinsen jagt über mein Gesicht und ich nicke stumm. Sie gibt mir direkt einen Bademantel mit.

Auf dem Zimmer wasche ich als erstes die Wäsche von gestern, denn dazu hatte ich gestern keine Lust mehr. Auf der Heizung trocknet sie relativ schnell. Ich surfe im Internet und versuche herauszufinden, wo ich heute Abend etwas essen kann. Hier in Zeven gibt es nicht ein Restaurant, dass etwas für mich anbietet… Gedanklich stelle ich mich auf Pommes und Salat im hoteleigenen Restaurant ein.

Direkt gegenüber dem Hotel ist eines der Schuhgeschäfte. Ich gehe hinein und sehe an der Kasse direkt die Einlagen, die ich mir bei Amazon bestellen wollte. Die Verkäuferin ist sehr nett und berät mich gut. Sie ist sehr interessiert an meiner bisherigen Pilgerreise und fragt, ‘wie es so sei, wo ich übernachten würde, ob ich alleine sei und ob ich keine Angst hätte’. Während ich Ihre Fragen beantworte, probiere ich verschiedene Einlegesohlen an und laufe durch das Geschäft. In den linken Schuh kommt die X-Treme, die ich mir bei Amazon ausgesucht hatte und in den rechten Schuh kommt eine mit Memory Foam. Meine Schuhe sind vom nassen Waldboden dreckig und sandig. Ein bisschen unangenehm ist es mir schon, aber die Verkäuferin lässt sich nichts anmerken oder es stört sie tatsächlich nicht. Sie nimmt sich sogar einen Schuh und legt eine Sohle dort ein.
Beide Sohlen fühlen sich gut an, aber ich glaube, dass mir die X-Treme auf die Dauer mehr Unterstützung bieten kann. Sie hat eine harte Pelotte und ein Gelpad unter der Ferse.

Nachdem ich mich für die Sohlen entschieden habe, gibt mir die Verkäuferin die zweite, damit ich sie direkt einlegen kann. Ich bezahle und gehe weiter wie auf Wolken ?. Mal schauen was meine Füße morgen dazu sagen, wenn ich das Gepäck wieder auf dem Rücken habe.

Ich gehe noch einmal durch den Ort und bin nach 10 Minuten durch. Ich beginne mich zu langweilen. Was könnte ich tun? Eine Zeitschrift lesen? Ich komme an einem Geschäft vorbei und schaue nach dem Zeitschriftenangebot. Eine vegetarische Kochzeitschrift gibt es nicht und in der Vital sind dieses Mal auch keine interessanten Themen. Andere Frauenzeitschriften sind mir zuwider.

Am Ende der Fußgängerzone stoße ich auf einen Rewe. Essen ist auch ein guter Zeitvertreib… Also kaufe ich mir ein Mittagessen, das ich auf dem Hotelzimmer esse und mache danach einen Mittagsschlaf.

Auf dem Rückweg zum Hotel komme ich an einem Gartenfachgeschäft vorbei, in dem ich mir die Blumen angucke. Außerdem fällt mein Blick auf ein asiatisches Restaurant, das direkt gegenüber dem Hotel ist, das ich aber nicht bei Google Maps gefunden habe. Ich gehe hinein und nehme mir eine Karte mit, um sie im Hotel zu studieren. Vielleicht gibt es dort etwas zu essen für mich.

Nach 1 1/2 Stunden Mittagsschlaf wache ich auf und will in die Sauna gehen. Dass der Saunabereich so hübsch und gemütlich eingerichtet ist, hätte ich nicht vermutet. Die Wärme tut mir gut und ich entspanne mich. Ganze 2 Stunden verbringe ich dort.

Der Asiate hat tatsächlich ein Gericht für mich. Gebackenen Tofu mit Shop Suey und Reis. Bevor ich dort hingehe, rufe ich noch in einer Unterkunft in Otterstedt an, in der ich morgen übernachten will. Die Unterkunft hat eine Küche, so dass ich morgen kochen kann und will. Auch da habe ich wieder Glück, dass ich noch ein Zimmer bekomme. Der Inhaber ist selbst schon gepilgert und empfiehlt mir eine bessere Route, damit ich ein paar Meter sparen kann. Außerdem sagt er mir, ‘dass ich unbedingt genügend Wasser mitnehmen solle, da es auf dem Weg keine Möglichkeit gäbe Wasser zu bekommen’. Ich bin ganz gerührt von seiner ehrlichen Anteilnahme.
Im Ort soll es auch einen Supermarkt geben, den ich auf Google Maps allerdings nicht finde. Ich bin nun unsicher und überlege, mir ein paar Zutaten aus Zeven mitzunehmen. Auch wenn das bedeutet, dass ich das zusätzliche Gewicht die 23 km mit mir herum trage. Sicher ist sicher.

Während ich in dem asiatischen Restaurant sitze und mein sehr leckeres Chop Suey mit gebackenem Tofu esse, fällt mir wieder ein, dass es morgen erst ab 8:00 Uhr Frühstück gibt. Ich wundere mich über die späte Uhrzeit und stelle dann fest, dass morgen Sonntag ist. Morgen ist Sonntag!!!
Ob es einen Supermarkt in Otterstadt gibt, ist nun nebensächlich. Ich muss die Zutaten heute kaufen, denn morgen haben die Geschäfte geschlossen… Bravo, liebes Gehirn, dass dir das noch aufgefallen ist.

Also mache ich noch einen Spaziergang nach dem Essen zu einem weiteren Rewe und kaufe ein paar Zutaten für das morgige Abendessen. Ich brauche eine Weile, bis ich mir ein leckeres Mahl zusammengestellt habe, das mit relativ wenig Gewicht und halbwegs gesunden Zutaten zuzubereiten ist. Es wird Vollkornnudeln (die gab es im 250 g Pack) mit Zwiebeln, Champignons und Simply V Frischkäse als Sauce geben. Da ich nicht weiß, was mich in der Küche erwartet, habe ich mich für ein Gericht entschieden, dass ich in einem Topf zubereiten kann. Da ich ebenfalls nicht weiß, ob ich Gewürze vorfinde, habe ich ein Knoblauch-Salz gekauft, das, wie ich finde, gut zum Gericht passt. Die Champignons packe ich in meine Plastikdose, damit sie morgen auf dem Weg nicht zerquetschen. Der Rest darf so in den Rucksack.

Den Rest des Abends lese ich noch ein bisschen in meinem Reiseführer und schreibe den heutigen Bericht. Außerdem buche ich ein Hotel in Bremen und die Zugfahrt nach Hause. Das ungewohnt viele Schlafen und die Sauna haben mich müde gemacht, so dass ich heute wahrscheinlich früher schlafe, als die bisherigen Tage.

Morgen steht dann wieder ein ‘normaler’ Wandertag an und ich freue mich schon darauf.

Alles Liebe

2 Kommentare

  1. Petra Janke
    Sonntag, der 25. Juni 2017 / 08:03

    Wieder ein toller Bericht!
    Schön, dass du dir eine kleine Auszeit in der Sauna nehmen konntest.

    • Rina
      Rina
      Autor
      Sonntag, der 25. Juni 2017 / 08:04

      Dankeschön. Ja, die Sauna war toll! ?

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