Wandern auf La Palma – Am Krater der Caldera de Taburiente entlang

Wandern auf La Palma – Am Krater der Caldera de Taburiente entlang

Das viele Faulenzen macht mich müde. Auf der einen Seite ist mir irgendwie langweilig, auf der anderen Seite bin ich zu müde um groß was zu unternehmen. Auch wenn es mir nicht gefällt: Ich bin doch eher so der Alltags-Mensch und freue mich, wenn ich was zu tun habe. Heute ist es bewölkt auf La Palma. Eigentlich wollte ich an den Strand, aber da habe ich so gar keine Lust zu. Ich mache mir erstmal Pancakes zum Frühstück und während ich sie esse, beschließe ich, heute nochmal wandern zu gehen. Den gestrigen Tag kann ich nicht so stehen lassen! Es soll eine Wanderung mit wenig Höhenmetern sein, die nicht allzu lang ist. Ich schaue im Reiseführer nach und entscheide mich für die Caldera de Taburiente.

Hier ist der Track dazu:

Nach dem Frühstück packe ich meinen Rucksack, setze mich ins Auto und fahre die gleiche Strecke wie gestern und noch 15 Minuten weiter. Also gut 1 1/2 Stunden, die durch die zahllosen, scharfen Kurven auf La Palma ganz schön anstrengend sind. Als ich ankomme, bin ich ziemlich müde. Aber die Müdigkeit vergeht, als ich die atemberaubende Aussicht erblicke.

Man muss schwindelfrei sein, denn der 40 cm – schmale Weg führt direkt am Abgrund entlang. Die Luft ist deutlich dünner und so trocken, dass sie in meiner Nase brennt. Es ist totenstill, nicht ein Laut ist zu hören.
Auf dem Weg wechseln sich Auf- und Abstieg stets ab. Dann treffe ich auf ein paar Menschen. Dieser Ort ist scheinbar interessanter als die bisherigen. Trotz der Höhe ist es warm.

Es geht wieder steiler bergauf und es wird anstrengend. an die Luft habe ich mich mittlerweile gewöhnt und auch an den Abgrund zu meiner Linken. Die Vegetation ist karg und ich entdecke verschiedenen Ginsterarten. Hier oben ist auch die Sternwarte mit einigen Teleskopen. Nach gut 1 1/2 Studen Fußmarsch höre ich plötzlich Stimmen und zwar nicht nur in meinem Kopf.

Ich komme vom Pfad auf einen Parkplatz, von dem es nur etwa 200 m zum Aussichtspunkt auf den Roque de los Muchachos geht, der mit 2.426 m der höchste Berg auf La Palma ist. Das erklärt, warum hier ein dutzend Menschen mit rotgebrannten Schultern in Spaghettiträgertops und Flipflops den steinigen, aber befestigten Weg zum Aussichtspunkt entlangstolpern. In diesem Augenblick bin ich umso stolzer den weiteren Weg gegangen zu sein. Und er war so unfassbar schön anzusehen!

Auf dem Roque de los Muchachos mache ich Pause und esse meine übrig gebliebenen Spaghetti von gestern Abend. Das Rascheln der Tüte lockt eine Krähe an. Sie beobachtet mich, in der Hoffnung, auch was abzubekommen. Ich genieße die Aussicht und beobachte die Schwalben, die knapp über mir kreisen.

Als ich beim Abstieg gerade wieder auf dem Weg bin, wird mir kurz hinter dem Parkplatz plötzlich klar, warum ich auf dem Hinweg kurz vor dem Parkplatz so auffällig viele Taschentücher und Bananenschalen hier hab liegen sehen. Menschheit halt. Ich hasse es!

Auf dem ersten Anstieg des Rückweges steht die Hitze und ist kaum zu ertragen. Glücklicherweise dauert dieser Abschnitt nur 10 Minuten und dann wird es wieder angenehm warm. Der Weg ist steinig und geht wie auch schon auf dem Hinweg immer wieder auf und ab. Aber mit genug Konzentration und meinem Wanderstock ist es gut zu schaffen.

Immer wieder wechselst sich stehende Hitze mit kühlem Wind ab. Der Rückweg ist zwar anstrengend, erscheint mir aber deutlich kürzer als der Hinweg. Die Passagen, bei denen ich auf dem Hinweg Bedenken hatte, dass ich dort wegrutschen könnte, erweisen sich als nicht so schlimm wie gedacht.

In der Ferne sehe ich dann das kleine, rote Auto leuchten. Jetzt sind es nur noch ein paar Meter und nochmal 1 1/2 Stunden kurvige Fahrt nach Hause. Das Autofahren kann hier ganz schön anstrengend sein. Vor allem, wenn man Einheimische hinter sich hat, die drängeln. Und ich fahre echt nicht langsam…
Ich entscheide mich, nicht wieder die gleiche Route zu nehmen, sondern über Santa Cruz zu fahren. Nach etwa 20 Minuten beginnt die Baumgrenze und ich fahre wieder durch einen Kiefernwald. Der gesamte Waldboden ist mit goldfarbenen Nadeln übersät, die auch immer wieder in Häufchen die Straße säumen. Dann erreiche ich die Farngrenze und ich merke, wie sich meine Nasenschleimhäute spürbar erholen. Was auf 2000 Höhenmetern für unterschiedliche Luftverhältnisse herrschen, sieht man auch an der Wasserflasche, die ich oben verschlossen habe und die sich unten ganz schön zusammengezogen hat.

Die Straße ist streckenweise in einem deutliche schlechteren Zustand als die auf der Hinfahrt und ist teilweise aufgebrochen oder abgerutscht. Plötzlich liegt ein etwas faustgroßer Stein mitten auf meiner Fahrbahn. Da es genau in einer Kurve ist, kann ich nicht auf die andere Fahrbahn ausweichen. Ich entscheide, dass ich aber sowieso locker darüber hinweg komme. Das Auto ist ja schließlich nicht tiefer gelegt. Und dann macht es rums… Ich bete innerlich, dass der Stein nicht die Ölwanne getroffen hat und bin die nächsten Kilometer sehr wachsam. Aber nach einer weiteren Stunde Autofahrt, komme ich ohne Probleme nach Hause. Glück gehabt.

Zum Abendessen gönne ich mir ein kaltes Cerveza sin und diese leckere Bowl. Am Abend bin ich dann wieder mit mir versöhnt.

Die nächsten zwei Tage mache ich erstmal Wanderpause, da ich Samstag zum Bauernmarkt nach Puntagorda und Sonntag auf den Flohmarkt in Los Llanos will. Meine Vermieterin Amana hat mich und meinen Nachbarn gefragt, ob wir Sonntag Abend an der Strandbar in Tazacorte zusammen essen wollen. Ich freue mich darauf und bin gespannt, ob und was es dort für mich zu essen gibt.

Bis bald!

Alles Liebe

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